Die Pyramiden von Gizeh

 

 

 

 

 

 

 

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21.06.2018

 

 

Die Pyramiden von Gizeh:

 

 

 

1. Ich sah die Herrlichkeit des Herrn

 

Im dreißigsten Jahr, am fünften Tage des vierten Monats, da ich war unter den Lebenden und saß am Wasser Ruhr tat sich der Himmel auf, und ich sah das Gesicht des HERRN. Und siehe, es kam ein ungestümer Wind von Mitternacht her mit einer großen Wolke die allenthalben umher glänzte; und mitten in dem Glanz war ein Fahrrad. Es hatte zwei Räder, und eines war wie das andere. Oben aber über den Rädern war es gestaltet wie ein Himmel, wie ein Kristall, ein Herr im blauen Sakko.

Und er sprach zu mir: “Es ist falsch was die Wissenschaft sagt. Niemals konnten Menschen die große Pyramide in Gizeh, die angeblich von Cheops stammt, bauen.”

“Warum denn nicht?” fragte ich den Herrn im blauen Sakko. “Was spricht denn dagegen?”

“Alles” antwortete er, “Einfach alles.”

Ich wandte ein: “Das ist mir zu schwammig, können wir Deine Argumente einmal Punkt für Punkt durchgehen?”

Der Herr im blauen Sakko war sichtlich verblüfft, offenbar hatte ihn noch niemand seiner Jünger eine deratige Frage gestellt.

“Ja, äh, ...” stammelte er. “Ich muss mal kurz überlegen.”

 

 

2. Die schiere Masse

 

Nach ein paar Sekunden des Schweigens hatte er sich wieder gefangen und posaunte frohlockend: “Alleine schon die Masse. Da stecken 6 Millionen Tonnen Steine drin, und sie soll in 20 Jahren gebaut worden sein. In ganz Ägypten gab es nicht genug Menschen, um diese Menge von den Steinbrüchen zur Pyramide zu schaffen. Punkt.”

“Oh, prima”, meinte ich. “Das kann man ja nachrechnen.”

Der Herr im blauen Sakko schaute mich mit aufgerissenen Augen an, als ob ich ein Magier sei.

“Also, 6 Mio. Tonnen in 20 Jahren, das macht also 300000 Tonnen pro Jahr. OK?” Der Mann im blauen Sakko nickte.

“Wenn sie 300 Tage im Jahr arbeiteten, wären das also 1000 Tonnen pro Tag. Korrekt?”

“Ja genau”, frohlockte er. “Das schafft doch kein Mensch. Niemals nie.”

“Muss ja auch nicht ein Mensch sein, man kann ja viele nehmen” antwortete ich. “Wenn sie 10 Stunden am Tag arbeiteten, müssen 100 Tonnen pro Stunde geschafft werden. Wenn der Weg von Steinbruch zur Baustelle und zurück einen Kilometer beträgt, kann ein Arbeiter vier mal pro Stunde gehen. Trägt er dabei immer 25 Kilo, schafft ein Arbeiter also 100 Kilo pro Stunde. Soweit OK?”

Der Herr im blauen Sakko nahm seine Finger zur Hilfe und rechnete vor sich hin. “Ja, das stimmt” grummelte er.

“Und wenn man 1000 Leute einsetzt, schafft man die 100 Tonnen locker” antwortete ich.

 

 

3. Wie transportiert man schwere Steine und was ist mit dem Platz?

 

“Tausend Leute auf einem Kilometer, das haut nicht hin, die stehen sich auf den Füßen herum!” triumphierte er.

“Ja, weil auch niemand das so macht. Es wurden große Steine bewegt, und die werden nicht getragen, sondern gezogen. Das spart Kraft.” antwortete ich. Das überforderte offensichtlich seine Vorstellungskraft.

Nun, wenn man ein Kilo trägt, muss man dauerhaft eine Kraft von 10 Newton aufwenden, um die Schwerkraft auszugleichen. Zieht man das Kilo über den Boden, muss man nur die Reibung überwinden, und dafür braucht man weit weniger Kraft als beim Tragen. Bei Schotter nur 1/5 der Kraft wie beim Tragen, ein Arbeiter kann also 5 mal soviel ziehen wie heben – in unserem Beispiel 125 Kilo. Also braucht man nur 1/5 der Leute um die gleiche Last zu befördern – 200 statt 1000. Und schon hätte man genug Platz.

Es geht noch weiter: Ziehen ist viel einfacher als Tragen, da man seinen vornüber gebeugten Körper als Kraftquelle nutzen kann. Bei “The biggest Loser” mussten die untrainierten Kandidaten einmal 600 Kilo-Gewichte über einen Ascheplatz ziehen. In Experimenten schafft eine Person locker 250 Kilogramm über Schotter. Für einen Pyramidenstein (2,5 Tonnen) waren 10 Arbeiter ausreichend. Wenn man Teams zusammenstellt, und jedes Team schafft 4 Blöcke pro Stunde, bräuchte man nur 80 Leute, um die nötige Last zu bewegen. Nähme man 160 Leute könnte man die Last pro Arbeiter halbieren, und mit nur 320 Mann könnte man sogar großzügige Pausen einlegen ohne das Projekt zu gefährden. Eine Hälfte arbeitet, die andere Hälfte pausiert.

 

 

4. Und wie geht's rauf?

 

“Ja,” sagte der Herr im blauen Sakko, “Ich kenne das Geschwurbel der Wissenschaftler. Jetzt sind die Steine auf der Baustelle – ABER WIE KRIEGST DU SIE AUF DIE PYRAMIDE? Die Ägypter hatten keine Seile um sie anzuheben und selbst wenn, wären sie unter der Last gerissen!”

Ja, das behauptet der Herr im blauen Sakko wirklich in seinem Buch “Die Augen der Sphinx”. Die ältesten gefundenen Seile seien 1000 Jahre jünger als das von der Wissenschaft behauptete Alter der Pyramide.

Eigentlich unglaublich, dass er das behauptet. Nur wenige Meter von der Pyramide weg steht das Bootsmuseum, in dem eines der Staatssschiffe des Cheops ausgestellt ist. 50 Meter lang und auf die typisch ägyptische Art mit Kilometern von Tauwerk zusammengeflochten. Etliche Originalseile sind dort ausgestellt. Entsprechende Seile könnten zwischen 3 und 6 Tonnen tragen, ein Seil hätte für 99,9 % aller Steine gereicht - wenn man sie hätte heben wollen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Aber was für den Transport zur Baustelle gilt, gilt auch bei der Pyramide selbst. Ziehen ist kraftsparender. Bei einer flachen Rampe (5°) braucht man kaum mehr Kraft als in der Ebene, für 2,5 Tonnen muss man mit rund 659 Kilogramm (6,5 Kilo-Newton, KN) ziehen, mit einem Seil könnte man also 5 Steine gleichzeitig ziehen, wenn man es wollte.

 

 

5. Die infame Rampe

 

Da lebte der Herr im blauen Sakko auf. “Ha”, rief er, “Das ist doch der größte Unfug der je erzählt wurde. So eine Rampe hätte das SIEBENFACHE Volumen der Pyramide! Die Rampe wäre eine größere Leistung als das Bauwerk selbst!!!11”

Ja, das stimmt für die so genannte “Lange gerade Rampe”. Und das ist gleichzeitig einer der vielen Strohmänner die in der alternativen Geschichtsforschung in Umlauf sind. Damit bezeichnet man Argumente, die man genüsslich zerlegen (abfackeln) kann – DIE ABER NIEMAND VORGEBRACHT HAT. Auch den Archäologen ist dieses Problem seit dem 19. Jahrhundert wohl bewusst und wurde daher niemals ernstlich in Betracht gezogen. Es wird der Wissenschaft in den Mund gelegt, um sich darüber (und die blöden Wissis) lächerlich machen zu können.

Die Archäologen entwickelten viele materialsparende Rampenmodelle, das seit den 1970er favorisierte Modell (Schneckenrampe von Lauer) benötigt nur 0,2% des Pyramidenmaterials als Baustoff.

Vor 20 Jahren wurde ein Modell vorgestellt, dass sogar komplett ohne zusätzliches Material auskommt, die so genannte Integralrampe vom Klemm, die aus kurzen Rampenstückchen besteht, die mit bei der Endbearbeitung der Steine angefallenem Schotter auf dem Pyramidenkörper aufgemauert wird. Seltsame schräg verlaufende Strukturen auf den Pyramidenflanken sind ein schönes Indiz dafür, dass dieser Rampentyp wirklich verwendet wurde.

 

 

6. Aber es waren keine Ägypter

 

Der Mann im blauen Sakko schwieg. Dann sagte er: “Aber es gibt keinen Beweis, dass es die Ägypter waren. Und der einzige Name den man in der Pyramide fand ist gefälscht. Und andere Inschriften sind nicht hieroglyphisch, also KANN Cheops nicht der Urheber sein. Sie stammt nachweislich aus einer Zeit bevor es Ägypter gab.”

Hm, ja, das sind die Märchen die ein gewisser Zecharia Sitchin erfand, ein selbst ernannter Sumerologe, der in Wirklichkeit ein erfolgloser Wirtschaftsjournalist war. Der behauptete, der “einzige Name” enthielte einen Rechtschreibfehler und müsse daher eine moderne Fälschung sein. Als Beweis präsentierte er Illustrationen aus einem Buch von 1842, welches auf Aufzeichnungen einer Grabung von 1837 basiert.

Schlägt man in dem Buch nach, stellt man fest: Sapperlot, die Hieroglyphen sind korrekt geschrieben. Sitchin selbst hat die Zeichnung verfälscht und so den Fehler bewusst selbst herbeigefälscht.

 

 

Name bei Sitchin:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Name in der Originalquelle:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Mann im blauen Sakko murmelte: “Den Typen habe ich noch nie gemocht. Trotzdem kann man eine Krakelinschrift nicht als Beweis sehen.”

Das macht auch keiner. Der Erbauer der Pyramide hieß nicht Cheops, das ist der Name den ein alter griechischer Historiker diesen König gab. In Ägypten hieß er Khufu. Genauer gesagt hatte er drei Namen. Sein Thronname hieß “Horus Mededu”, das heißt “der (Gaben) austeilende Horus”, sein Kronprinzname war “Khnum-Khufu” (Khnum, er schützt mich) und sein Familienname lautete “Khufu” (Er schützt mich).

Als die Inschriften gefälscht worden sein sollen, kannte man nur den Namen “Khufu”, mit den anderen Namen konnte man nicht viel anfangen, den Thronnamen erkannte man nicht mal als Namen. Aber ALLE DREI NAMEN tauchen in den Inschriften auf und zwar in Sätzen, die Arbeitsgruppennamen darstellen, wie „Die weiße Krone des Khnum-Khufu“. Kein Fälscher der damaligen Zeit hätte das schreiben können, 15 Jahre nachdem zum allerersten Male einfache Hieroglyphen entziffert werden konnten.

Eine Fälschung ist also unmöglich.

 

Und was ist mit den nicht hieroglyphischen Zeichen? Die wurden bei einer Untersuchung eines kleinen Kämmerleins am Ende eines mehrere Dutzend Meter langen Schachts mit nur 20 x 20 cm Querschnitt durch einen Roboter gefunden. Ja, sie sind nicht hieroglyphisch. Sie sind, wie die anderen Inschriften auch, in der Schreibschrift der Ägypter geschrieben, dem Hieratischen. Und es ist eine Zahl, 121. Das ist exakt die Länge des kleinen Schachts vom Eingang in der so genannten Königinnenkammer bis zu dieser Stelle, gemessen in ägyptischen Ellen. Dort konnte niemand hinkrabbeln um das dort hinzumalen, es MUSS während des Baus dort hingeschrieben worden sein. Von Ägyptern. Statt einem Beweises für “Cheops kann es nicht gewesen sein” ist das ein eindeutiger Beweis für den Bau durch Ägypter.

Außerdem gibt es tatsächlich auch ägyptische Quellen, die Khufu als Bauherrn nennen, wie die Chronologie von Manetho.

 

„Das ist Unsinn!“ fuhr der Herr im blauen Sakko dazwischen. „Die Pyramide ist von Cheops, nicht Khufu. In ganz Ägypten gibt es keinen Cheops, nirgendwo werden Sie einen Cheops finden, Cheops muss lange vor den Ägyptern gelebt haben!“

 

Seufz. Manetho teilte die Pharaonen in Dynastien ein. Dem 2. Pharao der 4. Dynastie ordnete er die große Pyramide zu (obwohl der Herr im blauen Sakko behauptet, er habe die gar nicht erwähnt) und nannte ihn gräzisiert Suphis (zu seiner Zeit war Griechisch Amtssprache in Ägypten). Vergleicht man die von ihm aufgeführten Namen mit der Königsliste von Abydos, auf denen die Namen in Hieroglyphen stehen, sieht man, dass dies der König Khufu ist. Und Manetho erwähnt zusätzlich, das Suphis vom griechischen Historiker Herodot Cheops genannt wurde. Also Khufu = Suphis = Cheops.

 

Wann dieser lebte kann man aus verschiedenen Quellen wie dem Turiner Königspapyrus und astronomischen Daten errechnen. Daraus ergibt sich, dass König Khufu irgendwann um 2500 v. Chr. lebte.

Und dann gibt es noch wissenschaftliche Datierungsmethoden wie Lumineszenzverfahren mit denen man messen kann, wann die Granitsteine in der Pyramide zuletzt dem Tageslicht ausgesetzt waren, und die C14-Methode, mit der man Holzkohle im antiken Mörtel und eingewehten Samen tief im Innern der Pyramide gemessen hat. Beide Verfahren plazieren die Pyramide ebenfalls in die Zeit um 2500 v. Chr.

Physik kann manchmal ganz schön scheiße sein.

 

 

7. Aber die unfassbare Präzision!

 

“Hör mal,” meinte der Herr im blauen Sakko, “Erklär mir mal, wie Steinzeitheinis (ja, so nennt er zum Beispiel den größten Pyramidenbauer aller Zeiten, Snofru, den Papa von Cheops) diese unglaubliche Präzision hinkriegen. Ein Stein ist präzise wie der andere, wie in einer Fabrik mit einem Laser geschnitten. Ohne Mörtel, mit Fugen so schmal, dass da nicht mal eine Rasierklinge dazwischen passt. Und der harte Granit, blank poliert so dass man sich darin spiegeln kann. Los, erklär mal!”

 

Wortlos griff ich in meinen Rucksack, in dem sich seltsamerweise mein Fotoalbum befand, und zeigte Bilder der Pyramide, wo antiker Mörtel zwischen den ungleichmäßigen Steinen hervorquoll und wo man Lücken sah, in die man ganze Körperteile einführen kann. Und auch die ziemlich rauhe Oberfläche der Granitwände kann man auf Bildern gut erkennen. Von “blank poliert” keine Spur.

 

 

Steinschichtung mit Mörtel:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ungleichmäßiges Mauerwerk:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Durchleuchtungen der Pyramide mit kosmischen Strahlen zeigten außerdem, dass bis zu 15% der Pyramide aus mit Schotter gefüllten Hohlräumen besteht, und Bohrungen ergaben, dass auch jenseits der Kammerwände großzügig mit Sand verfüllten Hohlräumen gearbeitet wurde. Außen hui. Innen pfui…

 

“Ja, aber die Präzision der Ausrichtung an den Himmelsrichtungen, die Seiten weisen exakt nach Norden, Süden, Osten und Westen, und alle Seiten sind exakt gleich lang! Dafür braucht man Laser.”

 

Auch nicht, die Ausrichtung der Pyramide weicht im Schnitt um 3 Minuten (eine Minute = 1/60 °) von den Himmelsrichtungen ab. Das menschliche Auge kann eine Minute auflösen, die Präzision entspricht also dem was mit dem nackten Auge möglich ist.

Die Seitenlängen weichen um 4,4 cm voneinander ab. Kürzeste Seite 230,328 m, längste Seite 230,372 m. Durch aneinanderlegen von Messstäben ist diese Präzision problemlos zu erreichen.

 

“Nein,” schrie der Herr im blauen Sakko. “Niemals ist es möglich, neun Messlatten so hintereinander zu legen, dass man nur 4 cm Fehler hat. Niemals! Die Götter von den Sternen mussten helfen! Und was ist mit Pi, und Vieh, und Rembrandt, Ägypten? ...”

Irgendwie löste sich der Herr im blauen Sakko langsam auf, er zerfloss geradezu, seine Stimme wurde immer leiser und löste sich auf wie das Geflüster des Sommerwindes...

Ich wurde wach. Nur ein Traum. Wirklich? Nein, nur die Summe aus jahrelangen Diskussionen auf diversen Foren, in denen ich all diese Argumente schon gehört habe. Auch von dem Herren im blauen Sakko. :D

 

Wenn Sie tiefender gehende Informationen haben möchten, inklusive Quellen zum Nachprüfen (der Herr im blauen Sakko sagt ja immer: “Glauben Sie mir kein Wort, überprüfen Sie alles“ – macht leider niemand) – folgen Sie einfach dem Link: http://www.pyramidengeheimnisse.de/

 

 

geschrieben von: Frank Dörnenburg